Was tun bei Hochwasser?
- Sam
- Survival , Survival skills
- June 16, 2024
Inhaltsverzeichnis
Was tun bei Hochwasser?
Hochwasser bedroht Menschen, Tiere und Eigentum – und es lässt in der Regel wenig Zeit zum Nachdenken. Genau deshalb entscheidet die Vorbereitung. Dieser Leitfaden führt dich durch die drei Phasen: was du vorher klären musst, wie du dich während des Hochwassers verhältst und was danach ansteht, von der Schadensdokumentation bis zur Trocknung.
Vor dem Hochwasser
Gefahrenbewertung
Lebst du in einem hochwassergefährdeten Gebiet? Der erste Schritt ist die nüchterne Einschätzung deiner Lage. Lokale Hochwasser-Gefahrenkarten und Behördeninformationen geben Auskunft – erst danach kannst du sinnvoll über Maßnahmen entscheiden.
Kennst du die lokalen Risiken? Dazu gehören historische Daten zu vergangenen Hochwassern, saisonale Wetterbedingungen und Gefahrenquellen wie Flüsse oder Dämme in der Nähe.
Zwei Quellen, die du kennen solltest:
- Hochwassergefahrenkarten: UmweltAtlas Bayern
- Aktuelle Warnungen: Deutscher Wetterdienst
Kennst du die Warnsysteme deiner Region? Melde dich für Warnungen per SMS oder E-Mail an und mach dich mit den Signalen vertraut, die im Notfall verwendet werden. Das entscheidet darüber, ob du rechtzeitig reagierst.

Notfallplanung
Ein Evakuierungsplan mit sicheren Fluchtrouten und Notunterkünften gehört durchgesprochen, bevor er gebraucht wird – mit allen Familienmitgliedern. Der Ablauf im Ernstfall:
- Alarmieren – Sobald eine Hochwasserwarnung kommt: alle informieren. Jeder muss wissen, was zu tun ist.
- Notfallkit greifen – das vorbereitete Kit mitnehmen, wichtige Dokumente und Wertgegenstände prüfen.
- Strom und Gas abstellen – Hauptsicherungen und Gaszufuhr abschalten, um Brände und Stromschläge zu vermeiden.
- Evakuierungsroute nehmen – nur sichere, höhergelegene Wege nutzen, überflutete Straßen meiden.
- Sichere Zuflucht aufsuchen – Notunterkunft oder höhergelegenes Gebiet ansteuern und dort bleiben, bis die Behörden Entwarnung geben.
Regelmäßige Übungen sind kein Übereifer: Ein Plan, den nur einer kennt, ist keiner. Und halte einen Plan B bereit, falls die primäre Route blockiert ist.
Notfallausrüstung
Ins Notfallkit gehören Wasser, haltbare Lebensmittel, Medikamente, ein Erste-Hilfe-Set, Taschenlampen, Batterien und die wichtigen Dokumente. Der Aufbewahrungsort muss so gewählt sein, dass du das Kit im Ernstfall in Sekunden greifen kannst. Wie du so etwas systematisch packst, steht in unserem Artikel zum Fluchtrucksack.
Dokumente und Wertgegenstände gehören in wasserdichte Behälter oder an höher gelegene Orte. Das erleichtert die Wiederherstellung nach dem Hochwasser erheblich.
Während des Hochwassers
Sicherheit
Oberste Priorität: Alle Familienmitglieder an einem sicheren Ort, idealerweise höher gelegen oder in einer Notunterkunft. Die Wasserversorgung muss dabei durchgehend sichergestellt sein – dazu passt unser Artikel zum Trinkwasser haltbar machen.
Folge den Evakuierungsanweisungen der Behörden strikt. Sie basieren auf aktuellen Lagebildern, die du selbst nicht hast.
Schalte vor dem Verlassen des Hauses alle elektrischen Geräte und die Gaszufuhr ab – gegen Brände, Explosionen und Stromschläge.
Kommunikation
Ein batteriebetriebenes Radio oder ein aufgeladenes Mobiltelefon hält dich auf dem Laufenden. Kurbelradios mit Handyladefunktion sind hier im Vorteil, weil sie unabhängig vom Netz funktionieren. Mehr dazu in unserem Artikel zur Kommunikation ohne Strom.
Bewährte Geräte: das Kurbelradio mit Taschenlampe und Handyladefunktion, das wasserdichte Baustellenradio mit 10.000-mAh-Akku und das Digitalradio mit Kurbel und Taschenlampe.
Halte außerdem alle wichtigen Telefonnummern griffbereit: Notrufnummern, Familie, Nachbarn.
Verhalten in der Krise
Halte dich aus überfluteten Bereichen heraus. Fluten steigen schnell an und bringen starke Strömungen und versteckte Trümmer mit sich – beides siehst du im trüben Wasser nicht.
Identifiziere im Voraus höhergelegene Gebiete, in die du fliehen kannst, wenn es enger wird.

Und sorge für ausreichend Vorräte, um mindestens 72 Stunden ohne externe Hilfe auszukommen: Wasser, Lebensmittel, medizinische Versorgung.
Nach dem Hochwasser

Rückkehr und Sicherheit
Betritt dein Zuhause erst, wenn die Behörden es freigegeben haben. Prüfe die offiziellen Mitteilungen regelmäßig.
Für die Rückkehr brauchst du Schutzkleidung – kontaminiertes Wasser, Schutt und scharfkantige Trümmer sind die Regel, nicht die Ausnahme. Gummistiefel und Handschuhe sind das Minimum; bei höherem Wasserstand ist eine Wathose mit Stiefeln die bessere Wahl.
Elektrizität und Gasversorgung gehören von Fachleuten geprüft, bevor du sie wieder in Betrieb nimmst.
Dokumentation und Schadensmeldung
Dokumentiere alle Schäden mit Fotos und Videos, bevor du aufräumst. Ohne Dokumentation wird die Regulierung mit der Versicherung mühsam. Eine Hilfestellung dazu bietet die Deutsche Schadenshilfe.
Kontaktiere deine Versicherung so schnell wie möglich und folge ihren Anweisungen für die Abwicklung. Zur Entsorgung des angefallenen Materials informiert das Bayerische Landesamt für Umwelt.
Reinigung und Trocknung
Steht noch Wasser im Keller, muss es zuerst raus – dafür eignet sich eine Schmutzwasser-Tauchpumpe.
Danach zählt jede Stunde: Alle betroffenen Bereiche müssen vollständig getrocknet werden, sonst wächst Schimmel – und der wird schnell zum Gesundheitsproblem. Bautrockner sind dafür das Mittel der Wahl.
Zur Auswahl stehen etwa der Comedes Bautrockner, der LTODH-0950 Bautrockner und der Aktobis WDH-500AH.
Reinige und desinfiziere anschließend alle Oberflächen, die mit dem Hochwasser in Kontakt gekommen sind.
Psychische Gesundheit
Ein Hochwasser kann traumatisch sein, und das ist keine Randnotiz. Sprich mit Freunden, Familie oder einer Therapeutin oder einem Therapeuten über das Erlebte.
Wenn du professionelle Unterstützung suchst: Das Deutsche Rote Kreuz vermittelt Selbsthilfegruppen in deiner Nähe.
Wo es Hilfe gibt
Gemeindeverwaltungen, Hilfsorganisationen und Nachbarschaftsgruppen sind die ersten Anlaufstellen beim Wiederaufbau. Überregional helfen:
| Hilfsangebot | Link |
|---|---|
| Aktion Deutschland Hilft | Hochwasser Deutschland |
| Johanniter | Hochwasserkatastrophe |
| Deutsches Rotes Kreuz | Hochwasser in Deutschland |
| Diakonie Katastrophenhilfe | Flut Deutschland |
Such außerdem nach Gemeinschaftsinitiativen und Freiwilligengruppen vor Ort – beim Aufräumen und Wiederaufbau sind sie oft die schnellste verfügbare Hilfe.

Fazit
Hochwasser erfordert schnelles und überlegtes Handeln – und die Überlegung muss vorher stattfinden. Ein durchgesprochener Notfallplan, ein griffbereites Kit und die Kenntnis der Warnsysteme entscheiden im Ernstfall mehr als jede Ausrüstung.
Danach zählt Systematik: erst freigeben lassen, dann dokumentieren, dann trocknen und reinigen. Und wenn das Erlebte nachwirkt, ist es kein Zeichen von Schwäche, sich Unterstützung zu holen.